Burg und Schloss Hauenstein

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Internationale Beziehungen
(von R. Skopek)

Die Burg Hauenstein liegt nicht weit von der Grenze dreier historischer Länder – Böhmens, Sachsens und Bayerns. Im Laufe der Geschichte haben sich hier verschiedenste Einflüsse abgewechselt, seien es die königliche Macht und der böhmische Adel, der Katholizismus und der Protestantismus, die Deutschen und die Tschechen. Oft haben diese Kräfte gegeneinender gewirkt, oft haben sie jedoch im Frieden zusammengelebt.

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Schloss Hauenstein im Sommer 2008

Wir in der Gemeinnützigen Gesellschaft Horní hrad fühlen es sehr dringend, dass es nach den Nationalstreiten im 19. Jahrhundert, nach der Katastrophe der gegenseitigen Beziehungen im 20. Jahrhundert und nach den langen Jahren der kommunistischen Diktatur, welche die Menschen mit Stacheldraht getrennt hat, schon an der Zeit ist, unsere Isolation endlich zu verlassen und zu beginnen, sich mit unseren Nachbarn normal zu unterhalten. Dazu soll in der Zukunft auch Hauenstein dienen, weil wir in seinen Mauern ein regionales Kulturzentrum errichten wollen, das sich neben anderen Sachen auch der Problematik der Geschichte und der deutsch-tschechischen Beziehungen widmen wird. Eine der Aufgaben dieses Zentrums sollten Treffungen vor allem junger Menschen sein.
Diese künftige Absicht hat uns aber nicht gereicht. Etwas kann man doch schon heute unternehmen. Der logischste Schritt war dann eine internationale Zusammenarbeit. Wir mussten nicht lange suchen – zuerst haben wir Kontakte und eine offizielle Partnerschaft mit der Sächsischen Landestelle für Volkskultur und anschließend mit dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz geknüpft. Vertreter beider Organisationen haben Hauenstein mehrmals besucht und die Mitglieder von LSH haben sich während eines Ausflugs ins Erzgebirge die Burg angesehen.
Am besten hat sich aber unsere Partnerschaft mit der Gesellschaft Steinwaldia in Pullenreuth entwickelt. Mit diesem Verein haben wir nämlich „gemeinsame Interessen“. Außer der Tatsache, dass sich die „Steinwaldia“ auch der Heimatgeschichte und Kulturtätigkeit widmet, wird das Schicksal beider Organisationen von Burgen geprägt. Geben wir das Wort dem Vorstand der „Steinwaldia“ Herrn Norbert Reger:
„Seit nunmehr 7 Jahren haben wir uns an eine große Aufgabe herangewagt. Wir haben uns der einzigen Burganlage im Steinwald, der Veste Weißenstein, die fast gänzlich verfallen war, angenommen. Wir haben die noch bruchstückhaften sichtbaren Mauerreste saniert und im Laufe der Jahre den gesamten Burgengrundriss mit seiner Ringmauer, dem Zwinger und den Gebäuden aus großen Schuttbergen ausgegraben und durch Verfestigung der Reste sowie Ergänzungen zu einer heute sehr eindrucksvollen Burgruine gemacht. Auch der Bergfriedrest wurde saniert und um einige Meter erhöht. Diese Maßnahmen wurden überwiegend mit unseren Mitgliedern in ehrenamtlicher Arbeit ausgeführt. Viele tausend Arbeitsstunden für das Ausgraben und Restaurieren wurden geleistet. Die Mauern wurden von unseren Rentnern fachmännisch in alter Technik aufgemauert, die vielen Treppen und Podeste wurden von unseren Zimmerleuten aus haltbarem Lärchenholz gefertigt. Mit öffentlichen Mitteln und der großzügigen Unterstützung durch den Eigentümer konnten die notwendigen Geldmittel Jahr für Jahr aufgebracht werden. ... Neben der Erforschung der Burganlage haben unsere Spezialisten auch das frühere Besitzergeschlecht genealogisch weitgehend erforscht und dokumentiert. ... Diese nun bis auf eine umfangreiche Dokumentation fertiggestellte Burgsanierung hat uns bis an die Grenze unserer Leistungsfähigkeit gefordert, dabei aber auch eine einmalige Identifikation unserer Mitglieder gebracht, die uns auch für künftige Aufgaben sehr stark macht.“
Die offizielle Partnerschaft wurde sehr schnell zu einer wahren Freundschaft. Die Mitglieder der Gesellschaft Steinwaldia, „Steinwalďdáci“ wie wir unsere Freunde auf Tschechisch nennen, haben Hauenstein mehrmals besucht und haben auch an einigen von uns veranstalteten Aktionen als angesehene Gäste teilgenommen. Nie haben sie sich die Möglichkeit entgehen lassen, uns eine kleine Überraschung vorzubereiten, sei es z.B. die Band, die sie zu uns anlässlich der Einweihung des renovierten Bergfrieds mitgebracht haben, oder der große hölzerne Uhu, der uns von ihnen geschenkt wurde und der heute mit seinem aufmerksamen Blick den Frieden auf Hauenstein bewacht. Aber wir sind auch nicht nur zu Hause sitzen geblieben. Unsere Mitglieder und Mitarbeiter haben sich die Burgruine Weißenstein angesehen, an der feierlichen Einweihung des Bergfrieds auf Weißenstein teilgenommen, mit unseren deutschen Freunden einen Ausflug durch den Steinwald unternommen oder die „Steinwaldier“ bei einem Ausflug im Erzgebirge begleitet. Bei all diesen Gelegenheiten haben wir immer das wichtigste getan – miteinander gesprochen und den anderen kennen gelernt. Die „Steinwaldia“ und ihre Tätigkeit gilt für uns in vieler Hinsicht als Vorbild und Inspirationsquelle.
Im Jahre 2003 haben wir Kontakte mit dem Lions Club Sachsen geknüpft und noch in demselben Jahr wurde eine Partnerschaft geschlossen. Zwei der Hauptthemen der „Lions“ sind uns besonders nah – Treffen und Jugend. Mit Hilfe des Lions Clubs, einer weltweit anerkannten und angesehenen Organisation, möchten wir unsere Aufmerksamkeit noch mehr auf die Entstehung des Kultur- und Begegnungszentrums richten. In der Tätigkeit solches Zentrums auf Hauenstein sehen wir unseren Beitrag zum Prozess der Völkerversöhnung in Mitteleuropa.
Alle diese Beziehungen, Partnerschaften und Freundschaften haben außer der Atmosphäre einer guten Zusammenarbeit auch noch eines zur Folge: unsere Gesellschaft kann an den Projekten der vorstrukturellen und strukturellen Fonds der EU teilnehmen. Im Jahre 2002 haben wir einen Förderungsantrag an die Euregio Egrensis gestellt, der jedoch wegen der von der Hochwasserkatastrophe verursachten Schäden leider nicht positiv erledigt werden konnte. Mit der Unterstützung des Lions Clubs wird für das Jahr 2004 ein ähnlicher Antrag an die Euregio Labe-Elbe vorbereitet und weiter wollen wir auch eine Finanzförderung von dem Deutsch-tschechischen Zukunftsfonds zur Errichtung der Jugendbegegnungsstätte auf der Burg beantragen. Alles das wäre gar nicht möglich, gäbe es nicht die gute Zusammenarbeit mit unseren Partnern, die immer bereit sind, uns mit ihren Erfahrungen zu helfen.
Aber das Programm der Völkerbegegnung auf Hauenstein wird nicht nur für die Zukunft geplant. Obwohl unsere Möglichkeiten beim jetzigen Zustand der Sanierungsarbeiten immer noch beschränkt sind, haben wir schon in den Jahren 2002 und 2003 zwei internationale Arbeitseinsätze (Work Camps) erfolgreich veranstaltet. Bis zum Erscheinen dieser Broschüre haben bei uns im Rahmen der Arbeitseinsätze insgesamt 40 Menschen aus verschiedenen Ländern gearbeitet, vor allem aus Deutschland, aber auch aus Frankreich, Ungarn, Russland, Spanien, Finnland und sogar aus Kanada. So kann unser Vorhaben auch in den noch bescheidenen Bedingungen der immer verlaufenden Renovierung verwirklicht werden.
Die Rettung und Erneuerung Hauensteins ist eine Enthusiastensache. Wir sind froh, dass wir auch im Ausland Menschen mit einer ähnlichen Weltanschauung gefunden haben. Es geht natürlich nicht nur um die hier erwähnten offiziellen Partner und Freunde, sondern auch um einzelne Privatpersonen und Freunde, die von unserer Arbeit wissen und uns die Daumen drücken. Auch den gehört unser Dank für ihre Unterstützung und für die Arbeit, die viele von ihnen auf der Burg schon geleistet haben.

Was geht von all diesem hervor? Unserer Meinung nach vor allem eine sehr wichtige Sache – ES GEHT. Wenn man im Ausland ohne Vorurteile nach geistverwandten Menschen sucht, wird man sie auch finden. Es geht, wenn man Lust und auch ein wenig Mut hat, seinem Nachbarn zu begegnen und mit ihm über eine gemeinsame Sache zu sprechen. Das soll eine der künftigen Aufgaben Hauensteins sein, aber zum Teil ist es auf der Burg schon jetzt gelungen. Und so halten wir es auch für richtig.

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