Burg und Schloss Hauenstein

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Geschichte und Bauentwicklung der Burg und des Schlosses
(von L. Zeman)

Die Anfänge der Burg Hauenstein sind noch nicht ganz geklärt. Der Name Hauenstein beinhaltet zwei Wörter in sich – Haue und Stein (in der Bedeutung Burg). Das spiegelt höchstwahrscheinlich die Tatsache wider, dass in der Umgebung der Burg Erz gefördert wurde. Die Lage Hauensteins in der Nähe von Sachsen war sehr günstig – von hier konnte man die Egerklausen an der Grenze der Gebiete Ellbogen und Saaz schützen. Die Besatzung der im hügeligen Terrain versteckten Burg war im Stande, das Geschehen am Fluss und in seiner Umgebung zu beherrschen.

Chronik_1
Hauenstein Ende des 19. Jahrhunderts

Bisher hat man vorausgesetzt, dass die Burg als ein Teil des Königsburgensystems im Grenzgebiet entstand, und zwar in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, während der Regierung von entweder Premysl Ottokar II. oder Wenzel II. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass die Burg von ihrem ersten bekannten Besitzer gegründet wurde, dem Burggrafen von Ellbogen Nikolaus Winkler. Er dürfte die Burg um das Jahr 1320 besessen haben, aber er übereignete sie bald dem Kloster in Doxan, dem in der Umgebung ein paar Dörfer gehörten (u.a. Welchau, Jokes und Schönwald). Das Doxaner Kloster überließ die Burg Hauenstein auch mit dem Zubehör am 23. Januar 1336 gegen ein Vorwerk in Welchau dem böhmischen König Johann dem Blinden. Dann gehörte Hauenstein zwanzig Jahre der Krone. Da das Gut Hauenstein sehr klein war und in der Urkunde aus dem Jahre 1336 man nicht einmal über seine Größe spricht, wollte die Krone es ausdehnen. Am 17. Oktober 1357 schloss Kaiser Karl IV. einen Vertrag mit dem Kloster in Postelberg ab, in dem er die Dörfer Wotsch, Erbelstein, einen Teil von Warta, Weidmesgrün, Boksgrün, Endersgrün, Grün, Gesmesgrün, Mühlendorf und andere Gründe gegen das Gut Liebotschan mit einer Mühle in der Saazer Vorstadt und andere Besitzungen tauschte. Diese gliederte er dem Besitz Hauenstein an, zu dem sie dann lange gehörten.
Der römische Kaiser und böhmische König Karl IV. übertrug Hauenstein jedoch kurz darauf einem namentlich unbekannten Besitzer. Es waren höchstwahrscheinlich die Brüder Oldřrich und Erhart von Rugehensenstein. Sie setzten nämlich am 23. März 1359 einen neuen Pfarrer in Welchau ein und von diesem Ort wissen wir, dass er schon damals ein Teil des Hauensteiner Gutes war. Den Grund Karls für die Übergabe kennen wir leider nicht und die weitere Geschichte der Burg wirft auch kein Licht darauf.
Im Jahre 1360 wurde Děetřrich von Portice, der Propst des Kapitels auf Vyšehrad in Prag und ein Vertrauter des Kaisers, zum Besitzer. Děetřrich war ein Neffe von Jetřrich, dem Bischof von Minden und auch dem Propst auf Vyšehrad. Schon August Sedláčcek hat die Idee geäußert, dass Děetřrich eine Veranstaltung Karls finanziell unterstützt hatte, wofür er auch entlohnt wurde. Am 16. April 1360 erhob ihn Karl nämlich in den Herrenstand und gab ihm das Recht, ein gebessertes Wappen zu benutzen. In dieser Urkunde wird Děetřrich auch Herr und Besitzer der Burgen Orlík und Hauenstein genannt. Wie Děetřrich Orlík bekam, ist klar, denn schon im Jahre 1357 gab Karl die Burg dem schon erwähnten Mindener Bischof Jetřrich, nach dem sie sein Neffe gewann. Hauenstein kann jedoch nicht ein Teil des Geschenkes gewesen sein, weil Děetřrich sie zum Teil kaufte und zum Teil als Heimfall gewann. Hypothetisch kann man voraussetzen, dass es nach den erwähnten Brüdern Oldřrich und Erhart war. In einer weiteren Urkunde, die Karl IV. am 7. Juni 1360 erließ, wird Hauenstein aus der Macht des Bezirks Ellbogen herausgenommen, und somit auch aus der Macht des dortigen Burggrafen. An demselben Tag erließ Karl noch eine Urkunde, in der die Burg Orlík auf ähnliche Art und Weise behandelt wird, und gleichzeitig versprach er dem Mindener Bischof Jetřrich, dass falls Děetřrich ohne männliche Nachkommen stirbt, er Jetřrich beide Burgen zurückgibt. Dazu ernannte er Děetřrich noch zum Burggrafen von Vyšehrad und zum popravce auf den ihm anvertrauten Gebieten. (Anmerkung des Übersetzers: Ein popravce, lateinisch iusticarius, corrector oder scabinus maior, war im mittelalterlichen Böhmen ein vom König ernannter Beamter, der auf dem ihm anvertrauten Gebiet auf die Gesetze und Sicherheit aufpassen sollte.)
Wie lange Děetřrich die Burg besaß, wissen wir nicht. Zur Zeit der Regierung des Königs Wenzel IV., eines Sohnes von Karl, gehörte die Burg Děetřrich wahrscheinlich nicht mehr. Aus der Zeit um das Jahr 1380 erhielt sich eine Quelle, in der gesagt wird, dass Wenzel die Burg „Hawensteyn“ mit dem Gut als ein Lehen überließ, der Name des Beschenkten wurde jedoch leider nicht überliefert. Das Lehen ging dann aber vermutlich zurück in die Hände des Königs. Wir schlussfolgern dies, weil der König auch nach dem Jahre 1380 das Patronatsrecht über die zur Burg gehörenden Kirchen ausübte, wie z.B. am 2. September 1395, als er den neuen Pfarrer Jindřrich zur Kirche in Wotsch einsetzte. Die Burg selbst wurde von königlichen Burggrafen verwaltet; man erfährt jedoch ihre Namen aus den Quellen fast gar nicht. Eine Ausnahme waren die Brüder Ondřrej, auch Paldra genannt, und Zikmund von Willomitz (bei Kaaden), die auf sich durch eine am 22. Mai 1404 direkt auf Hauenstein erlassene Urkunde aufmerksam machen. Am 27. August setzte dann Zikmund einen neuen Pfarrer zur Kirche in Totzau ein und bei dieser Gelegenheit wird er auch als „capitaneus in Hawenstein“, d.h. Hauptmann oder Kommandant auf Hauenstein, genannt. In demselben Jahre wurde Zikmund in seiner Funktion durch Hynek Kaufunk ersetzt, der im Jahre 1412 einen neuen Pfarrer ernannt haben soll. Nach ihm übte die Funktion Bušek von Tachlovice aus, der am 21. Februar den neuen Pfarrer Konrad zur Kirche in Welchau einsetzte und am 1. Januar 1417 nach dem Tod Jindřrichs zur Kirche in Wotsch den neuen Pfarrer Jan von Duppau. Und da wir wissen, dass Welchau zum Hauensteiner Gut gehörte, ist es klar, dass sie in diesem Fall das Patronatsrecht statt des Besitzers der Burg, d.h. des böhmischen Königs, ausübten.
Im Besitz der Krone war Hauenstein noch ein paar Jahre geblieben, bis sie der König Siegmund dem Stephan von Kobersheim, der auch Harnischmeister genannt wurde, in Versatz gab. Über den Versatz erfahren wir zum ersten mal im August 1420, als König Siegmund ihm einen neuen Majestätsbrief dazu ausstellte, weil Stephan den alten verloren hatte. Aus dem Majestätsbrief erfahren wir zwar, dass der Versatz 200 Schock böhmische Groschen betrug, wir wissen jedoch nicht, ob die Burg schon vom König Wenzel, oder vom König Siegmund dem Harnischmeister in Versatz gegeben wurde. Stephan von Kobersheim besaß dann die Burg zusammen mit seiner Frau Margarete über zehn Jahre. Während der Hussitenkriege stand er zuerst auf der Seite Siegmunds, und deshalb ist er in der Liste der Anhänger Siegmunds vom Jahre 1427 als Stephan von Kobersheim mit der Burg Hauenstein angeführt. Im Jahre 1429 wurde er jedoch seinem Brotherrn untreu. Als ins Gebiet von Saaz die Truppen von Jakoubek von Vřresovice einfielen, der den ausgedehnten Raum zwischen Luditz und Schlackenwerth beherrschte, borgte ihm Stephan ein paar Männer als Begleiter, um sich mit ihm gutzustellen. Später soll Stephan mit seinem Gefolge sogar an den Angriffen von Jakoubek, über die Grenzen des Kreises hinaus, teilgenommen haben.
Es ist also kein Wunder, dass sich der König von Stephan abwendete. Am 8. Mai 1431 erlaubte er nämlich Wilhelm von Duppau, die Burg Hauenstein mit dem ganzen Gut von Stephan gegen einen Versatzpreis zu kaufen, zu dem er ihm noch 200 Schock Groschen als Entschädigung gab. Die Macht Siegmunds war damals jedoch nicht stark genug, um in Westböhmen etwas ändern zu können. Nicht nur blieb Stephan auf der Burg sitzen, sondern er leitete sie Wilhelm von Illbug weiter. Wilhelm war Sohn des ehemaligen Burggrafen von Ellbogen Půuta von Illburg; er beanspruchte auch Ellbogen und führte deshalb langwierige Kämpfe mit den neuen Konkurrenten – der Familie Schlick. Wahrscheinlich deswegen trennte Wilhelm vom Gut Hauenstein einige Dörfer ab und ließ über ihnen die neue Burg Himmelstein erbauen. Im Jahre 1434 nannte er sich beim Einsatz eines neuen Pfarrers in Libčcice „in Hymmelstein“ (sic).
Schon im Jahre 1437 verließ er jedoch beide Burgen. Aus unbekannten Gründen gab er eine Urkunde aus, in der er gestand, dass er die Burg Hauenstein mit Zubehör, von Stephan von Kobersheim gewonnen, und die Burg Himmelstein an Heinrich von Weiden weitergeleitet hatte. Der neue Besitzer stammte aus der Familie Rous von Plauen aus dem benachbarten Sachsen. Kurz nachdem er die Burg gewonnen hatte, begann er, am politischen und gesellschaftlichen Leben Böhmens teilzunehmen. Da er aber zu den Gegnern des damaligen Verwalters des böhmischen Königreichs Georg von Poděebrady gehörte, was er auch mit seiner Teilnahme an der Versammlung des Verbands von Strakonice zeigte, verlor er die Burg kurz, nachdem Georg zum König gewählt worden war. Es war nicht schwierig, die Burg mit dem Gut Heinrich zu nehmen, weil es immer um ein königliches Lehngut ging.
Nach den Herren von Weiden gewann die Burg Andreas von Kaufung und eine gewisse Zeit gehörte sie ihm. Das wissen wir, weil er am 22. Dezember 1457 mit den Gewerken von Komotau und Kaaden direkt auf Hauenstein einen Vertrag über das Benutzen des Wassers aus dem Bach schloss. Nähere Einzelheiten sind aber unbekannt. Wenn er das Gut Hauenstein wirklich besaß, dürfte es nicht lange gewesen sein. Es ist auch nicht bekannt, wann und wie der nächste Besitzer auf Hauenstein kam – Hildebrand Sathaner von Drahowitz, einem kleinen Dorf mit Festung nicht weit von Karlsbad (heute ein Villenviertel des Kurorts). Es geschah wahrscheinlich noch vor dem Jahre 1463, in dem König Georg den Versatz um 100 Schock Groschen erhöhte; im Dezember 1466 gab er noch 300 Schock bei. Hildebrand Sathaner besaß dann Hauenstein lange Jahre. Um das Jahr 1470 ließ er auf der Burg nicht näher bekannte Umbauten durchführen, wofür der König den Versatz um weitere 200 Schock Groschen erhöhte. Seinen Söhnen Ulrich und Wenzel erteilte der König Vladislav Jagello dann im Jahre 1497 die Burgen Hauenstein und Himmelstein als ein erbliches Lehngut. Wenzel bekam Hauenstein und Ulrich Himmelstein.
Nach dem Tode von Wenzel und Ulrich Sathaner zwischen den Jahren 1510 und 1514 wurde das Gut Hauenstein wieder in Versatz gegeben, und zwar u.a. den Herren Heinrich von Bildenfels oder Alexander von Leisnek. Nach Ulrich Sathaner blieben sechs Söhne – Friedrich, Siegmund, Christoph, Paul, Felix und Cyril; nach Wenzel blieben zwei – Johann und Andreas. Diese schlossen im Jahre 1528 einen Vertrag mit Heinrich Schlick, zu Schlackenwerth sitzend, und für 2000 Schock böhmische Groschen verkauften sie ihm: die Burg Hauenstein mit dem Vorwerk, ein Vorwerk in Dubnice, die Dörfer Wotsch, Edersgrün, Grün, Gesmesgrün und weiteres Zubehör einschließlich der Zollgebühren in Wotsch. In demselben Jahre schloss Schlick noch einen ähnlichen Vertrag auch mit den Söhnen Ulrichs und außer Himmelstein kaufte er von ihnen noch die Burg Oberer Hauenstein mit Zubehör, das Vorwerk Studený mit Zubehör und die Dörfer Schönwald, Hüttmesgrün, Boksgrün, Mühlendorf, Erbelstein, Höll, Jokes, Welchau, eine Hälfte des öden Dorfes Kotteshof (Hradištěe) und einen Untertan in Warta, alles das für 4000 Schock böhmische Groschen.
Mit Heinrich trat in die Geschichte Hauensteins das mächtige Geschlecht Schlick ein. Zu dieser Zeit gipfelte gerade die Silberförderung im benachbarten St. Joachimsthal, das auch unter die Herrschaft des Schlackenwerther Zweiges der Familie Schlick gehörte. Als aber Heinrich schon in demselben Jahr 1528 an den Folgen der Verletzung in der Schlacht bei Mohács starb, ging sein ganzer Besitz auf seinen Sohn Kaspar und nach seinem Tod auf dessen Sohn Heinrich über. Nach dem ersten misslungenen Ständeaufstand im Jahre 1547 gegen den damaligen böhmischen König Ferdinand I. wurde Kaspar dazu gezwungen, die Burgen Hauenstein und den damals schon öden Himmelstein vom König wieder als Lehngüter zu empfangen, und zudem durfte er unter Todesstrafe die Burg Hauenstein nicht verlassen. Der Befehl wurde erst im Jahre 1549 milder und er durfte dann auch außerhalb der Burg verweilen, aber nur auf den Grundstücken, die zu der Burg gehörten. Kaspar besaß dann Hauenstein als Lehngut. Seinen Söhnen gelang es, den Kaiser Maximilian I. im Jahre 1574 zu überreden, und dank seiner Entscheidung besaßen sie Hauenstein wieder als erbliches Gut.

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Hauenstein Anfang des 20. Jahrhunderts (Bleistiftzeichnung zu Verfügung gestellt von Uli Augustin)

Was die Form Hauensteins in seiner älteren Phase betrifft, haben wir nur wenige Angaben. Ursprünglich bestand die Burg wahrscheinlich aus zwei Teilen, d.h. sie mag zwei selbstständige Kerne gehabt haben. Der kleinere, auf einer Landzunge stehende Teil wurde von einem Bergfried dominiert, den man im 19. Jahrhundert „Bürgermeister“ nannte. Der Bergfried ist aus Basalt erbaut und statt Kalkstein benutzte man für den Mörtel Karlsbader Sprudelstein, was für dieses Gebiet typisch ist. Nach archäologischen Funden kann man diese Technik in das 13. und 14. Jahrhundert datieren. Die Bergfriedmauer ist im Erdgeschoss ungefähr 2,20 Meter dick. Von anderen Gebäuden erhielt sich nur die Periphermauer der Terrasse, in ihrem unteren Teil gotisch. Der Palast, der hier gestanden haben kann, muss nur klein gewesen sein. Bisher ist es jedoch nicht gelungen, ihn genau zu lokalisieren, was auch für den ursprünglichen Eingang in den Bergfried gilt. Der heutige Eingang im Erdgeschoss ist ziemlich neu.
Unter dem Bergfried stand ein rechteckiger Palas, der in seinem unteren Teil gewiss gotisch ist. Es ist möglich, dass von seinem oberen Stock der lange gesuchte und immer noch ein bisschen mysteriöse Eingang in den Bergfried führte, wie es damals üblich war. Im Erdgeschoss, wo sich wahrscheinlich auch die Küche befand, erhielt sich ein interessantes Element – ein steinerner Block mit Bosse (einer absichtlich groben Oberfläche), den man sekundär bei den Barock- und klassizistischen Umbauten als Fensterteil benutzte. Dieser Block könnte von lebendigen Kontakten mit der Hofhütte des Königs Wenzel IV. zeugen, oder sogar von deren Aktivität hier, wie es z.B. auf der benachbarten Burg Egerberg war, die zu dieser Zeit von Jindřrich Škopek von Dubá, einem hochgestellten Mitglied des Kronrates, radikal umgebaut wurde.
Der Zugang zur Burg führte über einen mächtigen in den Felsen direkt unter dem Bergfried gehauenen Graben. Hinter dem Graben stand ein Tor (unlängst gefunden) und hinter ihm bog der Weg längs der Palasmauer ab. Diesem großen Palas war noch ein kleinerer Ostflügel zugefügt, von dem sich bis heute nur zwei geräumige, übereinander erbaute Kellerräume erhielten, die von einem Tonnengewölbe überspannt sind. Dieser Palas wurde zum Teil in den damals schon bestehenden Graben eingebaut – das Gebäude hat in seinem Basaltmauerwerk wieder den Sprudelsteinmörtel, was zumindest auf die Mitte des 14. Jahrhunderts zeigt. In die Wohnräume im Obergeschoss kam man wahrscheinlich über einen Söller mit einer gedeckten Treppe auf der Burghofseite.
Auf der Nordseite des heutigen Burghofs war die Landzunge von einer Periphermauer umgeben. Bisher ist jedoch nicht bekannt, wo der damals noch kleine und schmale Burghof endete. Eine archäologische Forschung, die hier in den Jahren 2001 und 2002 von Herrn Mgr. Jiřrí Klsák aus dem Karlsbader Museum durchgeführt wurde, hat deutlich die gotische und die Renaissancephase des Palastes unterschieden, und zwar einschließlich der verschiedenen Niveaus seiner Fundamente. Etwa 160 cm vom heutigen Palast entfernt wurde eine gotische Mauer entdeckt, die am Palast entlang läuft und die ein Überrest des gotischen Eingangs in den damals kleineren Palas sein mag. Einem Tor würde auch der Fund eines kleinen steinernen Pfeilers entsprechen, an dem eine schwarze Kohlenstoffschicht deutlich zu erkennen ist, wahrscheinlich eine Spur nach einem Brand. An dieses Mauerwerk grenzte noch ein in den Felsen gehauenes Objekt mit Holzboden und einem Rest eines anderen kleinen Pfeilers an, der den anderen Torpfosten getragen haben mag. Im Rahmen der Untersuchung wurde auf dem Burghof eine Quergrabung durchgeführt, die auf die ganze Situation Licht geworfen hat. Das ursprüngliche Terrainniveau lag 1,75 m tiefer als heute und aus dem Raum des Burghofs verlief ein ziemlich schmaler Felsenkamm in der Richtung zum alten Burgkern, wo der Bergfried und wahrscheinlich auch der älteste Palas standen. Der Zugang über so einen Kamm war schwierig und der schmale Raum konnte gut verteidigt werden. Zu den Souterrainräumen des Ostpalas kam man über eine kleine Brücke, höchstwahrscheinlich aus Holz, von der kleine gemauerte Seitenpfeiler (Rampe) gefunden wurden. Später (vielleicht während der Renaissanceumbauten) wurde diese Einsenkung nach und nach verfüllt, bis der Burghof flach wurde und man ihn mit Gebäuden umfassen konnte.
Zu gewissen Umbauten oder Reparaturen kann es irgendwann vor dem Jahre 1422 gekommen sein, denn in diesem Jahre wurde die Versatzsumme um 200 Schock Groschen erhöht. Dass die Burg in gutem Zustand war, davon zeugt auch die Tatsache, dass sie im Jahre 1427 in einer Liste der bedeutenden Festungen auftaucht. Die Erhöhungen des Versatzes in den Jahren 1463 und 1466 wurden entweder durch weitere Reparaturen und allgemeine Instandhaltung der Burg verursacht, oder die Summe stieg, die der König den Burgbesitzern schuldete. Über Umgestaltungen erfahren wir jedoch erst im Jahre 1474, als man direkt von „Geld zur Reparatur des Schlosses Hauenstein“ sprach.
Zumindest seit dem 14. Jahrhundert muss in das Verteidigungssystem auch der gegenüberstehende vulkanische Hügel mit der später erbauten Kapelle eingegliedert gewesen sein, der östlich in einer kleinen Entfernung über die Burg selbst emporragt. Eine interessante Nachricht erfährt man aus den Quellen im Jahre 1528, als man beim Verkauf sowohl die Burg Hauenstein, als auch „hrad Hauenštejn svrchněejší“ – Burg Oberer Hauenstein – erwähnt. Es kann der Hügel gewesen sein, auf dem heute die Kapelle steht. Es gibt jedoch noch eine Möglichkeit – die Burg selbst kann aufgeteilt worden sein und den älteren Kern (der Bergfried mit dem gotischen Palas) mag man dann Oberen Hauenstein genannt haben, während der andere Teil aus dem anderen Palas an Stelle der ehemaligen Vorburg mit Zubehör bestand. Beide Teile hätten voneinander durch einen Graben getrennt sein können und ein anderer Graben hätte die Vorburg von ihrer Umgebung trennen können. Aber sei es, wie es wolle, der Obere Hauenstein wird erst im Jahre 1528 zum ersten Mal erwähnt.

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Hauenstein nach dem Umbau Anfang des 20. Jahrhunderts

Um das Jahr 1600 brannte die Burg aus und wurde anschließend vom damaligen Besitzer aus der Familie Schlick im Renaissancestil aufwändig umgebaut. Eine erhaltene, jedoch nicht datierte Taxe des Gutes Hauenstein, die als eine Beifügung zu einem Tauschvertrag diente, enthält eine ziemlich detaillierte Beschreibung des Gutes und auch Angaben über den Zustand der Burg und ihrer Umgebung (Übersetzung aus dem Tschechischen): „Das Schloss Hauenstein, auf einem Felsen stehend, vor einer Zeit ausgebrannt und jetzt mit erhaltenen Wölben- und Kellerräumen als Sitz des Hauptmanns wiedererbaut, umfasst in sich eine Brauerei. Nicht weit von hier stehen eine Schmiede, ein Gasthaus und ein ,Schizenhaus’ (sic). Auch ein Bauernhaus. Der Schlosshügel ist voll von Obstbäumen und unter ihm gibt es einen Wirtschaftshof. Auch eine Schlossmühle an einem Forellenbach, der sich mit einem anderen Bach verbindet und der dann mit ihm einen Fluss bildet, und am Bach, gerade unter der Burg, befinden sich fünf Forellenteiche. Zum Gut gehören noch acht Dörfer. Außer der Schlossmühle gibt es noch die Neue Mühle. Auch zwölf Häuser, die gerade in diesem Jahr gebaut wurden und der Obrigkeit noch keinen Zins gebracht haben“.
Aus dem oben Angeführten geht hervor, dass der alte Palas nach einem Brand wiedererbaut und in den Sitz des Hauptmanns (Verwalters) verwandelt wurde. Das betrifft höchstwahrscheinlich den unteren Südostpalast, der deutlich durch einen Renaissanceanbau erweitert wurde. Der Anbau öffnete sich mit breiten Arkaden in den Burghof. Im Erdgeschoss befanden sich Ställe, im Obergeschoss Wohnräume. Beide erhaltenen Keller wurden nur mit Arkadenmauern verstärkt. Der Eingang in den Oberkeller verlief ursprünglich direkt vom Burghof aus, während des Renaissanceumbaus wurde die Treppe mit Hilfe von Formziegeln längs der Innenwand in den neu errichteten Teil des Palastes gelenkt. Interessant ist die Tatsache, dass das System der statischen Verstärkung der Gewölbe von Kellerräumen mit Arkaden das gleiche ist, das auch beim Renaissanceumbau des Rathauses in Schlackenwerth benutzt wurde, dem Sitz der Familie Schlick. Das würde auch demselben Zeitabschnitt entsprechen. Man kann sich eine Vorstellung über die aufwändige Verwandlung der Innenräume im Südpalast machen, der wahrscheinlich schon damals seine Form mit zwei Giebeln bekam. Unter dem abgefallenen Putz sind hohe vermauerte Fenster mit reicher Formziegelverzierung erschienen. Ein großes Arkadenfenster öffnete sich auch auf der Westseite. Der Unterschied zwischen dem Mauerwerk im Erd- und Obergeschoss ist beträchtlich und dazu wurde unter der neueren Eckenbosse eine illusorische, mit roter Farbenerde gemalte Armatur entdeckt, die mit dem Renaissanceumbau gewiss zusammenhängt. Die Fassade des Schlackenwerther Rathauses war nämlich sehr ähnlich und eine illusorische Armatur ist auch im benachbarten und damals auch der Familie Schlick gehörenden St. Joachimsthal üblich.
Schon damals gab es innerhalb der Burg eine Brauerei und wohl auch ein Pfortengebäude (es bleibt jedoch fraglich, ob es an der Stelle des heutigen Tores stand), denn man spricht in den Rechnungen auch von einem Pförtner und von Verbesserungen in seinem Zimmer. Das Wasser wurde zur Burg durch eine Wasserleitung geführt (wahrscheinlich gebohrt und aus Holz gemacht), die von einem Schlackenwerther Handwerker in den Jahren 1628 – 1629 gelegt wurde. Das befestigte Vorland auf dem Schlosshügel (der Hügel mit der heutigen Kapelle) war damals schon in einen Obstgarten verwandelt. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es auf Hauenstein eine große Wirtschaft – außer dem schon erwähnten Wirtschaftshof unter dem Schlosshügel werden in einem anderen Vertrag noch Schäferei, Fischbäche und Teiche angeführt. Dieser Vertrag betrifft den Verkauf Hauensteins von Elisabeth Schlick an Heinrich Schlick im Jahre 1628.

Den Schlicken gehörte die Burg bis zum Jahre 1663, als Franz Ernst Schlick sie an den Reichsfürsten Julius Heinrich Herzog von Sachsen-Lauenburg für 40 000 Rheinische Gulden verkaufte. Seit dieser Zeit gehörte Hauenstein zum Herrschaftsgut Schlackenwerth. Gleich nachdem er die Burg erworben hatte, begann der neue Besitzer mit Umbauten. Neben der alten Brauerei ließ Julius Heinrich in den Jahren 1663 – 1666 eine Mälzerei errichten. Der damals noch offene Graben unter dem Turm wurde mit einer Steinbrücke überspannt und nachfolgend als ein Bierkeller benutzt. Die Hauptgebäude wurden wahrscheinlich nur ein wenig verbessert, aber der Südostpalast wurde in ein Amtshaus verwandelt. Unter den abgefallenen neueren Putzschichten hat man in den Innenräumen beider Paläste Barockwandgemälde aus der Zeit Julius Heinrichs entdeckt. Der Südwestpalast mit zwei Giebeln behielt wahrscheinlich als Sitz der Herrschaft seine repräsentative Funktion, denn man hat hier im Obergeschoss an den Pfeilern zwischen den Fenstern Barockwandgemälde mit der Ahnentafel des Herzogs – drei rote Seerosenblätter im silbernen Feld (das Herrschaftsgut Brena) – und an den Fensterbrüstungen Kegel einer illusorischen Balustrade gefunden. In den Rechnungen werden die einzelnen Räume ohne Zweifel nach ihrer Dekoration benannt – Vogelzimmer, Grünes Zimmer, Gelbes Zimmer, Blaues Zimmer, und sogar Perlengemach (oder auch Festliches Gemach). Beide Giebel dieses heraustretenden Flügels hatten höchstwahrscheinlich Fachwerkmauern, der Südostpalast (Amtshaus), mit einem Giebeldach versehen, beinhaltete in seinem erweiterten Teil einen Erker, ursprünglich mit einem Zelt-, später mit einem Zwiebeldach. Man hat hier im Mauerwerk starke abgehauene Steinkonsolen gefunden. Es ging überwiegend um Schindeldächer. Zwischen dem Palast und dem Amtshaus gab es eine Küche; die Quellen sprechen von der „vorderen“ Küche. Bis heute sind hier große Löcher (Überreste der Feuerräume) zu sehen. Der Bergfried war mit einem mächtigen Zwiebelkuppel bedacht. Die Eingangspforte befand sich ursprünglich ein wenig links vom heutigen Tor, und zwar in einem selbstständigen Gebäude mit einem Giebeldach, auf dessen First es einen kleinen Glockenturm mit einem Zwiebeldach gab. Der Zugang zur Burg führte über eine Holzbrücke über eine Vertiefung (Graben). Schon damals gab es nicht weit vom Tor einen direkt in den Felsen gehauenen Bierkeller. Längs der Landzunge verlief ins Tal die Befestigung des Vorlandes. Im Burggelände befanden sich zwei Gärten – der Obergarten wahrscheinlich auf der Terrasse unter dem Bergfried, der Untergarten unter dem Südwestpalast. Wie die Burg und ihre Umgebung aussah, wissen wir dank einem Stich vom badischen Hofbaumeister Johann Michael Sockh aus dem Jahre 1716. Es geht um die erste Vedute, welche die Burg und das Schloss Hauenstein darstellt.

Dem Geschlecht Sachsen-Lauenburg gehörte Hauenstein, zusammen mit Schlackenwerth, bis zum Jahre 1689. Dann erbte die Ehefrau des Markgrafen Wilhelm Ludwig von Baden, Franziska Sibylla Augusta Hauenstein. Sowohl Hauenstein, als auch Schlackenwerth wurden so von den Markgrafen von Baden gewonnen. Nach dem Tode des letzten männlichen Mitglieds der Familie August Georgs im Jahre 1771 ging Hauenstein in den Besitz des Kaiserhauses Habsburg-Lothringen über. Die letzte Prinzessin von Baden, Elisabeth Augusta, sollte eine lebenslange Rente von ihren böhmischen Gütern bekommen. Diese Güter wurden bis zum Jahre 1789 von einem Verwandten Elisabeth Augustas verwaltet, dem Fürsten Johann von Schwarzenberg, und nach seinem Tode bis zum Jahre 1798 von dessen Sohn Joseph von Schwarzenberg. Elisabeth Augusta selbst starb im Jahre 1787. Hauenstein wurde als Kammergut verwaltet und seit dem Jahre 1826 gehörte es zu den sog. Staatsgütern. Während des Ausverkaufs der Staatsgüter wurde das Gut Hauenstein zusammen mit Kupferberg am 30. Oktober 1837 der Gräfin Gabrielle von Longueval-Buquoy für 400 100 Gulden verkauft. Die Form der Burg änderte sich bis zu dieser Zeit praktisch nicht.

Chronik_4
Hauenstein nach dem Umbau durch Gabriele von Buquoy

Bald nachdem sie das Gut gekauft hatte, begann die Gräfin Gabrielle von Buquoy mit ersten Umgestaltungen des ganzen Gebiets. Die erste Etappe verlief in den Jahren 1840 – 1850. Der Bergfried, zu dieser Zeit schon nur 8 m hoch, wurde zu den heutigen 16 m erhöht. Sein Oberteil wurde dann romantisch gestaltet – ohne Dach, nur mit einer Terrasse. Man baute auch eine neue Zinne, die einem mittelalterlichen Schützengang ähnlich ist. Den Eingang im Erdgeschoss des Bergfrieds soll man schon um das Jahr 1800 gehauen haben. Im neu gebauten Oberteil wurden (an der Stelle des ehemaligen Prevets?) der obere Eingang und ein rundes Fenster errichtet. Den Gipfel des Bergfrieds erreichte man durch eine wahrscheinlich schon ältere Eichenwendeltreppe. Das Gebäude beim Tor erhielt eine neugotische Form mit einem Stufengiebel. Am Ende der 40-er Jahre wurde auf dem benachbarten Hügel die prächtige neugotische Schlosskapelle gebaut, und zwar nach dem Projekt Bernhard Gruebers. Eingeweiht wurde sie im Jahre 1851.
Schon um das Jahr 1860 wurde das Amtshaus mit der Mälzerei und dem alten Südwestpalast verbunden. In diesem Zwischengebäude befand sich neben dem sog. Vorsaal auch eine große Küche mit einer Speisekammer. In das Obergeschoss führte ursprünglich nur eine Treppe, die an das Amtshaus angebaut war. Erst später baute man auch die andere Treppe bei der Mälzerei und die Front wurde vom Burghof aus betrachtet symmetrisch. Die Treppen umschlangen den mittleren Risalit mit der Terrasse und die Geländer mit Balustrade waren mit einem Nonnenmotiv geschmückt. Die Verzierungen, die mit der Dekoration anderer Elemente auf der Burg übereinstimmen, vor allem mit den kleinen Türmchen der Giebel, zeugen von der späteren Datierung der Umbauten. Diese zweite Phase wurde von Ferdinand von Buquoy nach dem Projekt von Alois Mytteis in den Jahren 1878 – 1882 verwirklicht (es bleibt jedoch fraglich, ob das Projekt originell, oder übernommen war) und verwandelte die Burg in ein geräumiges Schloss im Stil der damals sehr populären englischen Neugotik. Die früher ungleichartigen Burggebäude wurden in einen stileinheitlichen Komplex verkoppelt. Zwischen dem Tor und dem Südostpalast (dem Amtshaus) baute man einen neuen Flügel – einen aus dem Grundriss vorspringenden Risalit, der dem alten Südwestpalast ähnelt und einen kleinen Vorhof bildet. Zwischen diesen zwei Risaliten wurde wahrscheinlich in einer Zwischenetappe der Rittersaal angebaut, den man auf einem Plan aus dem Jahre 1864, also noch vor der zweiten Umgestaltung, als schon stehend einzeichnete. Der Rittersaal ist mit hohen neugotischen Fenstern versehen und auch mit einer geschnitzten Holzdecke, die der Holzdecke in der Kreuzfahrergalerie auf der südböhmischen Burg Rosenberg ähnlich ist. Den Rittersaal beendete eine Terrasse, auf der später ein Wintergarten errichtet wurde. Vor dem Rittersaal befand sich auch der Untergarten mit einem Springbrunnen in der Mitte. Der Obergarten auf der Terrasse unter dem Bergfried wurde mit einem Altan versehen. Man erweiterte auch das Torgebäude und ein neuer Eingang wurde in der Mitte des Hauses errichtet. Das neue Tor wurde mit dem Amtshaus durch einen Arkadengang mit einem mächtigen Turm verbunden, in dem man eine Wendeltreppe mit freier Mitte errichtete, wie man sie z.B. auf der französischen Burg Chambord an der Loire sehen kann. Die Fassaden bekamen Zinnen mit kleinen Türmchen und Stufengiebeln, die Fenster wurden mit neugotischen rechteckigen Gesimsen versehen. Der Südpalast und der neue Risalit bekamen große symmetrische neugotische Erker. Neu gestaltet wurde auch das Mälzereigebäude. Die Brauerei wurde wahrscheinlich zu dieser Zeit abgerissen, was die ursprünglich nicht beabsichtigt war, und an ihre Stelle platzierte man einen steinernen neugotischen Springbrunnen.
Diese Umgestaltung beendete die Bauentwicklung des ganzen Geländes und gab dem Schloss seine heutige Form. Als Vorbild der klaren und stileinheitlichen Konzeption dürfte sowohl das berühmte Schloss Windsor oder damalige Umbauten der englischen Schlösser Arundel, Belvoir und Lancaster gedient haben, als auch Colleges, wie z.B. in Oxford. Der Projektant der Umgestaltung muss auch andere damals schon stehende neugotische Schlösser in Böhmen und in Mähren gekannt haben – Frauenberg (Hluboká), Sychrov, Eisgrub und auch die buquoysche Umgestaltung der Burg Rosenberg. Als Inspirationsquelle kann man sich auch die romantischen Burgen des bayerischen Königs Ludwig II. vorstellen, z.B. Hohenschwangau, oder die Burg Lahneck in Rheinland. Sowohl das Projekt als auch die Verwirklichung der ganzen Umgestaltung Hauensteins ist ein sehr gutes Beispiel des neuromantischen akademischen Purismus in unserem Lande.
Die nähere Umgebung wurde dazu in einen romantischen Park verwandelt, der auf den Achsen der einzelnen Schlossgebäude lag. Von der Terrasse des Rittersaals führte der Park in das ganze Tal, das als eine romantisierte englische Landschaft mit Ausblicken zum Schlossgelände gestaltet wurde. Zum Park gehörte auch ein Terrassengarten mit Orangerie unter der Schlosskapelle, an der Stelle des heutigen Arboretums. Auf dem Promenadenweg standen ein Ausflugswirthaus, eine Jagdhütte und ein Schützenhaus. In den Park wurde sogar ein Tennisplatz eingegliedert. Am Bach befand sich eine Kaskade mit Teichen und romantischen Steinbrücken. Alles das war Teil der romantischen Ästhetik und stellt so ein einmaliges Beispiel einer radikal durchgeführten großzügigen Änderung der freien Landschaft dar.

Chronik_5Die Grafen von Buquoy hielten das Hauensteiner Gut bis zum Jahre 1945. Nach dem Weltkrieg wurden die Grafen von Buquoy als Deutsche aus der Tschechoslowakei vertrieben und das ganze Gut konfiszierte der Staat. Im Jahre 1947 wurde die Burg neu hergerichtet und seit diesem Jahre diente sie als Zentrum und Unterkunftshaus der Bergbaubetriebe in St. Joachimsthal. Zu dieser Zeit war die Burg und ihre Umgebung noch in gutem Zustand und es gab hier auch einen Teil der Einrichtung – außer den ursprünglichen Decken, Böden oder Kachelöfen befanden sich hier auch Bilder, Stiche usw. Einige Stücke des Mobiliars verkaufte dann der Bezirksnationalausschuss (weiter nur ONV – Okresní národní výbor) in Auktionen in Karlsbad. Später wurde das Schloss als Jugendheim für problematische Jugendliche benutzt, und zwar bis zum Jahre 1958. In diesem Jahr wurde es wegen schlechten Zustandes, großer Entfernung und hoher Heizungskosten für ungeeignet erklärt und verlassen.
Innerhalb von zehn oder fünfzehn Jahren verwandelte sich die Burg Hauenstein in eine Ruine. Nachdem die Gebäude nicht mehr als Jugendheim dienten, begann das Schloss zu verfallen. Der Schulwesensausschuss des Westböhmischen Kreisnationalausschusses (weiter nur ZKNV – Západočceský krajský národní výbor) nahm die Burg in seine Verwaltung. Seit dieser Zeit wurde über die Burg immer wieder verhandelt, um eine künftige Nutzung zu finden und ihre Zerstörung zu verhindern. Das Kreiszentrum des Staatlichen Denkmal- und Naturschutzamtes in Pilsen zusammen mit dem Staatlichen Denkmalschutzamt in Prag bemühten sich in den folgenden Jahren um ihre Rettung und Sanierung. Die Dislokationskommission des ZKNV in Pilsen und des ONV in Karlsbad suchte immer nach einem geeigneten Benutzer. Vergebens. Noch im Jahre 1960 war das Schloss in ziemlich gutem Zustand, aber die Vernichtung wurde in späteren Jahren von halbstarken Vandalen verursacht. Innerhalb von zwei Jahren wurde das nicht bewachte Objekt stark beschädigt. Die Decken waren wegen des durch die immer löchrigeren Dächer einfließenden Wassers nass und Fenster zerbrochen, die Einrichtung wurde gestohlen und fast alles, was verwendet werden konnte, weggetragen. Die Granitplatten von der Zinne des Bergfrieds warf jemand herunter und sie durchbrachen das Dach des Südwestpalastes. Die Täter wurden zwar festgenommen, blieben jedoch unbestraft. Solcher Blick bot sich den Touristen und zufälligen Besuchern, was immer wieder zu Kritik führte. Der schlechte Zustand der Burg und des Schlosses wurde mit der Behauptung entschuldigt, dass es sich um kein Denkmal der I. Kategorie handle, dessen Bedeutung den Kreisrahmen überrage (!). Die Frage, die in der Nachkriegsgeschichte immer wieder auftauchte, war diese: Wären die Kosten der Erneuerung wirklich dem historischen und kulturellen Wert des Objektes angemessen? Die Kosten der Renovierung wurden dabei im Jahre 1963 in der Höhe von 600 000 bis 800 000 Kronen geschätzt. Im Jahre 1965 wurde im Ausschuss für Denkmäler, Museen und Naturschutz des ZKNV in Pilsen sogar der Vorschlag angenommen, dass man nur die Bedachung des Bergfrieds instandsetzt und die anderen Gebäude den Touristen nur als Burgruine dienen sollen. Erst im Oktober 1967 schloss das Kreiszentrum des Staatlichen Denkmalschutzamtes in Pilsen das Schlossgelände, damit man nicht mehr eindringen konnte, und führte die nötigsten provisorischen Dachreparaturen durch. Der technische Zustand der Gebäude ermöglichte jedoch zu dieser Zeit noch die Rettung des ganzen Komplexes. Trotz der Beschädigungen der Dächer waren die Dachstühle lange Jahre fast in Ordnung. Einzigartige bemalte Renaissancedecken, die man nach der Zerstörung der unteren Plafonds fand, waren nur an Rändern der Balken beschädigt. Der Boden an den Stellen, wo er nicht herausgerissen und verbrannt worden war, war auch ziemlich gut erhalten. Auch das Mauerwerk war statisch in Ordnung. Der Putz war nur an den Stellen versehrt, wo das Wasser von den Dachrinnen einfloss. Die Balustrade der Haupttreppe war jedoch damals schon kaputt und ihre Teile waren in den Keller geworfen worden.
Im Jahre 1966 gab es die Hoffnung, dass das Schloss als eine experimentale gemischtwirtschaftliche Einheit für den Touristenverkehr und besonders für die westlichen Valutenausländer genutzt wird. Die Renovierung sollte wegen des Mangels an Finanzmitteln in der Form allmählicher Reparaturen durch eine Instandhaltergruppe durchgeführt werden. Erst damals änderte sich die Einstellung zum historischen und künstlerischen Wert des Schlosses, und zwar vor allem auf Grund neu entdeckter Details aus der gotischen und der Renaissanceepoche. Seit dieser Zeit spricht man schon von einem Denkmal nationalen Charakters. Wahrscheinlich wegen der bewegten Ereignisse am Ende der 60-er Jahre scheiterte jedoch auch dieses Projekt und auf die Verwandlung des Schlosses in ein luxuriöses Hotel wurde verzichtet. Der Verfall und die Zerstörung der Gebäude und des ganzen Geländes konnte sich fortsetzen.
In den 70-er Jahren kam es zur Verwandlung des romantischen Schlossgartens unter der Kapelle. Das heute schon berühmte Arboretum wurde hier von Ing. Jaroslav Hejtík gegründet, der sich jahrelang um die Rettung sowohl des Parks, als auch der Kapelle selbst bemühte. Auch sie war zu dieser Zeit der völligen Zerstörung nahe. Die innere Einrichtung, einschließlich des Altars, der Orgel oder der Bänke, war gestohlen oder ausgeplündert und beschädigt war auch die wertvolle Plastik über dem Eingang.
Im Jahre 1984 stellte sogar der Stadtnationalausschuss (weiter nur MěeNV – Měestský národní výbor) in Schlackenwerth, der nach der Vereinigung Schönwalds mit der Stadt Schlackenwerth zum Verwalter des „Nationalbesitzes“ Hauenstein wurde, den Antrag, dass man auf den Denkmalschutz Hauensteins verzichtet. Nach dem Abriss der Schlossgebäude sollte man wieder nur den Bergfried stehen lassen. Nach einem langen Verfahren wurde der Antrag zum Glück vom Kulturministerium der Tschechischen (damals noch) sozialistischen Republik im Jahre 1990 abgewiesen und Hauenstein bekam eine neue Überlebenschance.
Nachdem die Gemeinde Schönwald wieder unabhängig geworden war, ging Hauenstein im Jahre 1992 in ihre Verwaltung über. Es meldeten sich etliche Interessenten, die das Schloss kaufen und in eine Unterkunftsanlage oder ein Sanatorium verwandeln wollten. „Frauenberg Westböhmens“ war aber zu dieser Zeit in einem so schlechten Zustand, dass die Kosten der Erneuerung und der Wiedereinrichtung auf 250 Millionen Kronen geschätzt wurden. Trotz der Bemühungen um einen neuen Besitzer, der die Burg sichern und erneuern sollte, gelang es in den 90-er Jahren nicht, einen solchen zu finden.

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