Burg und Schloss Hauenstein

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Meine Erinnerungen an das Schloss Hauenstein
von Ilse Päckert

Erinnerungen Johann Päckert
Johann Päckert, Schneider, geb. 24.6.1864 in Warta an der Eger, er verstarb 1946 in Schönhausen an der Elbe in Sachsen-Anhalt

Es musste in den Jahren 1943 oder 1944 gewesen sein, da ergab sich für mich die Gelegenheit, dass mich mein Großvater nach dem Hauensteiner Schloss mitnahm. Er hatte für den Hausdiener (Butler) Näharbeiten zu erledigen. Da Großvater nicht nur ein guter Schneider war, sondern auch ein begeisterter Wanderer, pflegte er immer seine verrichteten Näharbeiten selber an die Kundschaft abzuliefern.

Da über die Wartner Brücke ein größerer Umweg gewesen wäre, gingen wir über die hässliche und laute Eisenbahnbrücke, die die Eger am westlichen Ortsrand überspannte. Fröhlich wanderten wir beide am Wächterhäusel vorbei, über die Wiesen, dann querfeldein bis auf die Damizer Straße.

Nach etwa einer guten Stunde Fußweg lag auf einem Berghang das herrliche Schloss. Im Wappen über dem Eingang steht: „DIEU ET MON ROI“ (Gott mein König).

Der Ort Hauenstein bestand aus weniger als 10 Häusern, in einem wohnte die Familie des Forstmeisters. Als Besonderheit wäre noch das kleine Schwimmbad zu erwähnen.

Am Schlosseingang betätigte mein Großvater zwei verschnörkelte Messingringe, in dem er sie kurz anhob und wieder gegen das Tor fallen lies. Es rumste und donnerte, daraufhin öffnete der Butler das große Schlosstor. Ich sehe ihn noch heute in meiner Erinnerung. Er hatte nichts von einer heutigen Butlererscheinung, keine weiß gestreifte Weste, eher wie ein Totengräber mit weißen Handschuhen. Unter dem großen Schlosstor wurden wir abgefertigt. Mein Großvater kassierte sein Honorar und verbeugte sich vornehm. In solch einer ehrfurchtsvollen Haltung habe ich ihn erstmals gesehen. Anschließend gingen wir noch zum kleinen Schlosskapellchen, dass mir sehr gefiel. Es blitze durch viele Bronze- und Goldverzierungen und strahlte Ruhe und Stille aus. Es wurde erbaut von Gräfin Gabriele Buquoy im gotischen Stil.

Am Nachhauseweg unterhielt mein Großvater mich, indem er Vogelstimmen und Tierlaute nachahmte. Auch Pfeifen und Schnitzen versuchte er mir beizubringen, was bei mir nicht so richtig klappte. Daraufhin sagte er: „Meine kleine Ischi (Ilse), das brauchst du auch nicht unbedingt zu können!“ Aber neugierig war ich schon und wollte gerne wissen, wie so etwas funktioniert.

Der alte Schlossdiener kam auch gelegentlich zu unserem Großvater, gekleidet im schwarzen Anzug, mit schwarzem Hut und mit weißen Handschuhen.

Foto: Ilse Päckert

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