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Schloss Hauenstein und seine Gärten (von K. Drhovský)
Die romantischen, im Stil der englischen Tudorengotik erbauten Gebäude des Schlosses Hauenstein waren natürlich von Gärten umgeben, welche die Wirkung des gewählten Stils unterstützen sollten. Auch die Gartenarchitektur entsprach dem Stil der englischen romantischen Schlösser. Typisch sind für sie scheinbar gegensätzliche Formen einzelner Flächen. Einerseits von der Natur übernommene und auf einem kleinen Gelände versammelte malerische und dramatische Szenerien, anderseits formal regelmäßiges pseudogotisches Ornament, zusammen mit Blumen- und Kräutergärten, die an das Mittelalter denken lassen.
 Gärten im Nebel 2007
Für einen formalen Garten gab es wenig Raum und man musste auf dem Burghof nur mit einer kleinen Fläche um den neugotischen Springbrunnen herum auskommen. Ein weiterer Garten befand sich auf der Terrasse unter dem Wintergarten (Rittersaal). Hier gab es einen Garten mit geschnittenem Buchsbaum, Rosen und Sommerblumen und alles das stand im wirkungsvollen Kontrast zum wunderbaren Tal im Hintergrund. Das tiefe Tal und die steile Landzunge hinter dem Schloss, auf der die Burg steht, halfen dann, die romantische Atmosphäre zu bilden. Steil abfallende Hänge mit einem lichten Buchenwald umrahmten den wilden Bergbach, der über die Steine springt. Das helle Buchengrün stand im Unterholz mit dunklen, immer grünen Efeu und Eibe im Gegensatz. Äußerst raffiniert waren die drei Teiche, weil es sich nicht um ein Wassermotiv nahe dem Bach handelte – absichtlich wurden ruhige Wasserspiegel geschaffen, in denen sich in verschiedenen Winkeln die Nordseite des Schlosses mit dem Bergfried widerspiegelte. Man konnte von einem Punkt drei Bilder der Burg sehen, die sich beim Spaziergang auf verschiedene Art und Weise veränderten. Die ganze Szene war von einem nüchternen Park mit Farb- und Gestaltgehölzen, exotischen Bäumen aus aller Welt und großen Gruppen von Stauden umrahmt. Auch dieser Bewuchs wurde von den Teichen widergespiegelt und erhöhte den ästhetischen Wert des Parks, der auf einer ziemlich kleinen Fläche großartig wirkte. Auch der Terrassengarten rechts vor der Eingangspforte, direkt vom Obergeschoss des Schlosses zugänglich, erinnerte an die anspruchsvolle Struktur der englischen Vorbilder. Es gab dort nicht nur reiche Blumenpflanzungen und einen Obstgarten, sondern auch Treibhäuser mit einer Sammlung tropischer Pflanzen. Die Treibhäuser ermöglichten es, die Pflanzen zu züchten, und zugleich konnten sie als Schlosssalons dienen. So, als Wintergarten, wurde auch der Rittersaal mit seinen hohen spitzen Fenstern genutzt, die sich nach Süden ins Tal öffnen. Hier wurden jedoch nur solche Pflanzen aufbewahrt, die nicht zu viel Wärme brauchen – Zitruspflanzen, Lorbeeren oder Klivien. Man pflanzte sie in Pflanztöpfe und im Sommer standen sie auf der Terrasse. Am schönsten ist jedoch die tadellose Gesamtstellung der romantischen Schlossgebäude in der Landschaft, die auch anerkannte Vorbilder übertrifft. Das ausgedehnte Tal mit mäandernden Bächen, Wiesen, Bäumen an Bachufern und in Obstgärten, alles das verengt sich und steigt steil zu seinem Schwerpunkt, dem auf einem Felsen dominierenden Schloss mit gesträubten Giebeln und Zinnen und mit dem Ausrufezeichen des Bergfrieds. Das ganze Bild war beiderseits von Hängen umrahmt, an denen die Buchen wuchsen, die schönsten mitteleuropäischen Laubbäume, die mit ihrem Hellgrün im Frühling, mit ihrer Bronze im Herbst und mit ihrer hellgrauen Borke im Winter positive Stimmungen bilden. Durch das ganze Gelände führten dann Wege und Pfade, sowohl zu Spaziergängen, als auch zum Pferdereiten geeignet. Die absichtlich an den Hängen führenden Pfade boten immer neue Ausblicke zum Schloss oder zum Tal und im nächsten Moment versteckten sie den Besucher wieder im erfrischenden Schatten der Bäume. Die Gegend war dabei bewohnt und die Häuser, Obstgärten und gewölbte Steinbrücken machten ein Düsternis- oder Verlassenheitsgefühl unmöglich. Das ganze Gelände mit seiner Dominante – Hauenstein – ist eines der besten Beispiele einer perfekt gemeisterten Gegendumgestaltung im naturlandschaftlichen Geiste der Neuromantik.
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