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Gegenwart und Zukunft (von P. Palacký)
Im Jahre 1994 habe ich mit meinen Freunden während unseres Ausflugs durch das Egertal auch das Hauensteiner Tal besucht und habe Hauenstein gesehen. Verlassen und majestätisch, von zwei Bächen umflossen, hat die Burgruine ihre Umgebung dominiert und mit der grünen Flut gekämpft. Anscheinend vergebens, weil der Anflug es zum großen Teil verborgen hat. Wir haben uns die Burg und ihre Umgebung von Grund auf angesehen – ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben ist. Ein Zettel am Tor hat uns über die gerade verlaufende Restitution und den Preis von vielen Millionen Kronen informiert...
 Schloss Hauenstein im Mai 2008
Die Zeit ist langsam vergangen und ich habe auf meinen Reisen vergeblich einen Ort mit einem mindestens ähnlichen genius loci gesucht. Im Winter 1999 hatte ich wieder die Möglichkeit, Hauenstein zu besuchen. Ich war sehr überrascht, dass ich statt eines prächtigen Schlosses oder zumindest einer verlaufenden Renovierung immer noch die selben leeren Fenster, verfallene Dächer und das grüne Meer gesehen habe. Die Zeit hat jedoch dem Schloss nichts an Wirkung genommen. Ich habe also begonnen, zu handeln. Die Gemeinde Schönwald war damals schon der Besitzer der Burg und bisher ist es ihr nicht gelungen, einen Käufer zu finden. Ich habe einen Gesamtsanierungsplan ausgearbeitet und habe die Unterstützung des Bezirksamtes gewonnen, als des Vertreters des Staatlichen Denkmalschutzamtes. Dann habe ich angefangen, mit dem Gemeinderat Verhandlungen zu führen. Nach zehn Monaten haben wir einen Kompromiss zwischen dem Preis, seiner Abzahlung und dem sofortigen Anfang der Rettungsarbeiten verabredet. Ich habe den Kaufvertrag unterzeichnet.Und so ist der 20. Oktober 2000 gekommen, an dem ich mit meinen Freunden, den Wagen voll von Werkzeug, wieder vor dem Tor gestanden habe. Diesmal habe ich es nicht mehr übersteigen müssen. Noch vor dem Winter hat auf uns viel Arbeit gewartet und jenes Jahr war er zum Glück nicht zu hart. Unter den ersten, die sich „die Verrückten“ ansehen gekommen sind, war der Schlackenwerther Baumeister Milan Štěepánek. Nachdem er sich angeschaut hatte, wie wir uns abmühen, fuhr er, ohne etwas gesagt zu haben, heim und holte uns Schutzhelme. Und wir haben der Helme bedurft! Zu dieser Zeit hatte ich vom Bauwesen fast keine Ahnung und habe alles durch die Augen eines Enthusiasten gesehen, der keine Beschränkungen zugibt. Und da Milan und ich im Laufe der Zeit sehr gute Freunde wurden, können wir uns heute die Renovierung ohne den anderen gar nicht vorstellen. Es hat sich herausgestellt, dass Milan nicht nur die Geschichte der Burg kennt, dazu viele Dokumente hat, eine Geschichts- und Bauerforschung und eine Messung hatte durchführen lassen, sondern dass er auch gerade an einer Projektdokumentation der Erneuerung arbeitet. Er hat auf der Burg jeden Stein gekannt...
Im Frühling des nächsten Jahres hat Pavel Vaculík innerhalb der Burgmauern eine Pressekonferenz organisiert, zu der trotz des Wetters überraschend viele Journalisten und Reporter von verschiedensten Medien gekommen sind. Seit diesem Moment hat von uns und unserer Arbeit der Kreis gewusst, und dank des Tschechischen Fernsehens auch ganz Tschechien. Unmittelbar darauf ist Herr Senator Vladimír Kulhánek gekommen, um sich die Burg anzusehen, und hat sich an die Spitze der Patrone zur Rettung und Erneuerung Hauensteins gestellt. Die Kulturabteilung des Bezirksamtes in Karlsbad, von Frau Bucharová und Herrn Zeman geleitet, hat uns als erste Institution finanziell unterstützt. Die Aufräumungs- und Rettungsarbeiten sind inzwischen weiter vorgeschritten. Im Sommer 2001 haben die Archäologen aus dem Karlsbader Museum, unter der Leitung von Mgr. Jiřrí Klsák, bei uns gegraben. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind in dem Kapitel Geschichte beschrieben. Im folgenden Jahr haben sie bei uns wieder gegraben. Die gründliche archäologische Untersuchung ist zu Ende und die einzelnen Bauphasen der Burg sind bestimmt. Dutzende und später Hunderte von Studenten aus ganz Tschechien haben unsere Aufforderungen angenommen und sind auf die Burg gekommen, um sich der harten Arbeit unentgeltlich anzuschließen. Gerade für sie haben wir auf Hauenstein die erste Kulturaktion veranstaltet. Die Band Krless, die historische mittelalterliche Musik spielt, wurde von der Karlsbader Zeitschrift Promenáda auf die Burg eingeladen. Mit solcher Hilfe und Unterstützung ist es in kurzer Zeit gelungen, alle Hauptzugangswege zur Burg und fast ein Drittel des ganzen Schlossgeländes aufzuräumen (bis zum Erscheinen dieser Broschüre sind aus der Burg über 300 LKWs mit Schutt weggefahren worden). Wir mussten auch alle Anflugsbäume in der Burg fällen, und es waren ein paar gute Kubikmeter Holz... Dann haben wir im Bergfried eine hölzerne Wendeltreppe errichtet, die meisten statisch bedrohten Teile gesichert, Decken erbaut, den Ostpalast mit dem Tor mit Dach versehen und provisorisch auch die Objekte über den Kellern bedacht. Dabei musste auch die nötige Papierarbeit gemacht werden, d.h. beispielsweise Unterlagen für verschiedene Subventionsverfahren, Erarbeitung der Projektdokumentation, Baugenehmigungsverfahren, Publikations- und Werbetätigkeit und anderes. Im Bereich der Bauprojekte hilft uns die Firma R-projekt des Herrn Ing. Hnát, die alles Nötige zuverlässig verschafft. Im Winter 2002 ist es jedoch zum Einsturz von mehr als einem Fünftel des Bergfrieds gekommen. Dieser Katastrophe verdanken wir noch mehr Aufmerksamkeit für unsere Arbeit. Es hat uns sogar Herr Kulturminister Pavel Dostál besucht, um sich das Projekt der Rettung und Erneuerung Hauensteins anzusehen und es zu unterstützen. Und so ist es innerhalb der unglaublich kurzen Zeit von drei Monaten und mit der Finanzförderung vom Staat und verschiedenen Gönnern und dank einer maximalen Opferwilligkeit aller Freiwilligen gelungen, das abgestürzte (und zum Teil sogar in den Bach gestürzte) Mauerwerk ohne Strom zurück zu bringen – insgesamt 65 Kubikmeter Basalt, d.h. ungefähr 169 Tonnen Material. Der Bergfried hat ein neues Dach mit einer Aussichtsplattform bekommen, wurde mit Metallreifen gesichert und am 23. September 2002 feierlich eingeweiht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Er ist der erste Teil der Burg, der nach Jahrzehnten von Vernachlässigung und Zerstörung wieder seinem Zweck dient.
Unsere unbescheidene Absicht ist es, dem ganzen Hauensteiner Tal seine bis heute spürbare romantische Form wiederzugeben, die natürlich von einem neugotischen Schmuck dominiert wird – der Burg Hauenstein. Das erneuerte architektonisch-landschaftliche Gebiet wird völlig den Bedürfnissen des Regionalzentrums im Karlsbader Kreis dienen, und zwar auch in Bezug auf das internationale und europäische Kulturgeschehen, von den Prinzipien guter Partnerschaft und unseres Beitretens zur EU ausgehend.
Auf einer Fläche von ungefähr 300 qm werden Ausstellungen mit archäologischen, historischen, geologischen und allgemein naturwissenschaftlichen Themen entstehen und weiter ein mitteleuropäisch orientiertes Aufenthalts- und Schulungszentrum. Es werden hier Theater- und Musikveranstaltungen stattfinden, z.B. Konzerte der romantischen Musik des 19. Jahrhunderts, und zwar im Konzertsaal des Wintergartens. Die umgebende Landschaft ermöglicht es, Veranstaltungen bildender Kunst zu organisieren. Wir rechnen auch mit verschiedenen Festen, Tagen des historischen Handwerks, mit Büchertagen, Vernissagen, Ausstellungen, Auktionen usw. Auch kann die Burg als diskretes Milieu für private, diplomatische oder Geschäftsverhandlungen oder Aufenthalte dienen. Weiter ist auch ein angemessener Raum für alle beteiligten Gönner geplant. Die Besucher der Burg werden die Möglichkeit haben, das ausgedehnte Areal in seiner romantischen Form mit erneuerten Teichen, Pfaden und Brücken, Ansichten zur Burg, Gärten und auch das benachbarte Arboretum zu besuchen. Das Arboretum stellt ein europäisches Unikat mit Hunderten von exotischen Bäumen und einer neugotischen Kapelle dar. Bei der Erneuerung des Parks hat uns das Generaldirektorat der Staatswälder der Tschechischen Republik Hilfe versprochen. Dieses in unserer Zeit einmalige Vorhaben muss selbstverständlich schrittweise verwirklicht werden. Die erste Etappe war die Zugänglichmachung des Turmes nach einer anspruchsvollen Instandsetzung, weiter wird der östliche Flügel der Burg mit der Eingangspforte gerettet und erneuert. Wenn wir Glück haben, sollte hier die allgemeine Kulturtätigkeit im Jahre 2004 beginnen. Aber bereits jetzt bieten wir unseren Besuchern interessante Veranstaltungen in den schon gesicherten Räumen der Burg.
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